Energiekrise

Zur Energieversorgung der Museen

Aktuell:

Seit dem 23.06.2022 befindet sich Deutschland in Stufe 2 des Notfallplans Gas (Stufe 1: Frühwarnstufe, Stufe 2: Alarmstufe, Stufe 3: Notfallstufe).

Damit stehen bereits einige Energieversorger vor der Herausforderung, ggf. Energiemengen zu drosseln und erarbeiten Versorgungspläne. Ein sog. Standardlastprofil ist hierbei Grundlage für die Beplanung besonders energieintensiver Einrichtungen.

Daher ist es von Bedeutung, bereits jetzt für die eigene Einrichtung grundlegende Fragestellungen zu beantworten und mit dem Träger, der zuständigen Kommune und/oder ggf. dem Energieversorger zu erörtern bzw. die jeweilige Betroffenheit zu klären.

Weiterführende Links aus den unterschiedlichen Bereichen/Branchen finden Sie hierzu gebündelt auf unserer Website (unten).

Ab Stufe 3 übernimmt der Bund die Regelung der Energieversorgung und die Bundesnetzagentur trifft damit die Festlegungen zur Verteilung von Bezugsmengen. Im Vordergrund steht dabei die Sicherung so genannter "geschützter Kunden" in einer absoluten Versorgungsnotlage. Kunst und Kultur gehören nicht zu den "geschützten Kunden". Mit der einheitlichen Einteilung der Kritischen Infrastrukturen (KRITIS, Sektor "Kultur und Medien") in neun Sektoren im Jahr 2011 gehören Kunst und Kultur zur kritischen Infrastruktur, sofern sie Kulturgut bewahren oder Kulturerbe repräsentieren (Sektr "Kultur und Medien"). Dies ist auch in Stufe 3 zu berücksichtigen. Daher haben BKM und KMK Gespräche mit der Bundesnetzagentur geführt und entsprechende Vorschläge für den Fall einer Allgemeinverfügung erarbeitet.

Zugleich haben Bund und Länder sowie kommunalen Spitzenverbände "Gemeinsamen Empfehlungen für Maßnahmen im Kontext einer etwaigen Gasnotlage unter besonderer Berücksichtigung Kulturgut bewahrender Einrichtungen" erarbeitet.

Erklärung der Kulturministerinnen und -minister der Länder und der Staatsministerin für Kultur und Medien vom 21.09.2022

Am 21.09.2022 haben sich die o.g. im Hinblick auf die weiteren Verhandlungen positioniert und Kulturpolitische Forderungen für die Positionierung von Kunst und Kultur in der Energiekrise herausgegeben. 

Gemeinsam Empfehlungen der Kulturministerkonferenz u.a.

Seitens des Bundes wurde bereits Bereitschaft für die Einrichtungen eines "Sonderfonds Energiekrise" für Kunst und Kultur signalisiert.


Handlungsempfehlungen:

Handlungsempfehlungen des Deutschen Museumsbundes

Handlungsempfehlungen im Notfall (MV Thüringen)

Gemeinsam Empfehlungen der Kulturministerkonferenz u.a.

Handlungsempfehlungen DEHOGA

Handlungsempfehlungen Deutscher Bühnenverein und Deutsche Theatertechnische Gesellschaft

Handlungsempfehlungen Forum Veranstaltungswirtschaft

Energiesparpotentiale in Bibliotheken


Weiterführende Links:

Kurzfristenergieversorgungssicherungsmaßnahmenverordnung (EnSikuMaV)

Stellungnahme des Deutschen Museumsbundes vom 23.09.2022 

Erklärung der Kulturministerinnen und -minister der Länder und der Staatsministerin für Kultur und Medien vom 21.09.2022

Pressemitteilung des WKM vom 16.09.2022

Entlastungspakete des Bundes

Energiesparen in der Kultur

Energiesparaufruf des Deutschen Museumsbundes

AK Gebäudemanagement und Sicherheit

Projekt „SiLK – SicherheitsLeitfaden Kulturgut“

Bibliotheken und die Krise der Lebenshaltungskosten (engl.)

Ukraniekrise und Nachhaltigkeitspolitik

Infos zur Energiekrise und seine Auswirkungen auf den Kulturbereich Deutscher Kulturrat


Zur Energieversorgung der Museen

Für die Museen in Mecklenburg-Vorpommern ist fast durchgehend mit einer Verteuerung der Energiekosten, vor allem der Heizkosten, zu rechnen. Unabhängig von der Art der Heizungsanlage sind die genauen Mehrkosten aufgrund der unklaren Situation noch nicht bezifferbar, mitunter gab es bereits deutliche Preissteigerungen. Notfallpläne für eine eingeschränkte Versorgung mit Fernwärme (Gas) bestehen in der Regel nicht oder gehen über eine Reduzierung der Raumtemperaturen nicht hinaus. Auch Museen ohne Gasheizung werden von den steigenden Preisen für Brennmaterial und Strom betroffen sein.

Für die meisten Museen ist eine Reduzierung der Raumtemperaturen die einzige Möglichkeit, den steigenden Heizkosten zu begegnen. Einsparungen an anderen Stellen sind kaum realisierbar. In Arbeitsbereichen ist eine Absenkung der Raumtemperatur nur bedingt möglich, da die geltenden Arbeitsregelungen zu Mindesttemperaturen beachtet werden müssen. Das gilt auch für Ausstellungsräume, in denen die Museumsaufsichten tätig sind. Das Einsparpotential ist hier demnach begrenzt.

Eine Gefahr für historische Räume und museale Exponate besteht bei niedrigeren Raumtemperaturen, vor allem in der stärkeren Bildung von Kondenswasser (Atemluft) bei niedrigeren Temperaturen. Das konkrete Gefährdungspotential wird dabei unterschiedlich eingeschätzt. Besonders bei hochwertigen und sensiblen Kulturgegenständen kann eine starke Absenkung der Raumtemperaturen zu dauerhaften Schäden führen. Die Temperatur allein kann allerdings nicht als Parameter für das Aufbewahrungsklima herhalten. Deutlich wichtiger ist die relative Luftfeuchte.

Festzuhalten ist: Die Schließung von Museen bringt nur begrenzte Einsparungen an Energie mit sich. Die historischen Gebäude mit ihren Kulturgegenständen in den Ausstellungen benötigen ein Mindestmaß an klimatischer Regulierung, um dauerhafte Schäden zu vermeiden.

Eine unkontrollierte Senkung/Abschaltung der Heizungsanlagen kann zu Kondenswasser an kälteren Bauteilen und Schäden am Gebäude oder den Objekten führen. Frostschutz ist einzuhalten, um Schäden an der technischen Ausstattung zu vermeiden. Ein unkontrolliertes Abschalten der Heizungsanlagen während Schließzeiten kann in der Praxis am Ende sogar mehr Energie benötigen als ein Herunterdrosseln, um die angestrebten Zielwerte im Gebäude wieder zu erreichen.

Niedrigere Raumtemperaturen führen zu Schließungen von Museen und Ausstellungen sowie zur Absage von Veranstaltungen. Dies wiederum führt bei den Museen zu Einnahmeausfällen. Vor dem Hintergrund der anhaltenden pandemischen Lage und den damit verbundenen Ausfällen von Veranstaltungen und musealen Angeboten ist eine Existenzgefährdung einzelner Museen nicht auszuschließen.