Provenienzforschung

Pilotprojekt zur Suche nach NS-Raubgut in den musealen Sammlungen Mecklenburg-Vorpommerns gestartet. Museumsverband erhält Förderung von Land und Bund für zweijähriges Projekt.

Die Stiftung Mecklenburg beauftragte Anne Paschen und Dr. Reno Stutz im September 2016, die Provenienz eines Gemäldes des jüdischen Malers Emil Fischer (1888-1942) aus Malchin aufzuklären.

Dem Unrecht auf der Spur

Das Pilotprojekt „Provenienzforschung in Mecklenburg-Vorpommern – Ein Erst-Check“ richtet sich vor allem an kleine Häuser. Ihnen fehlen in der Regel die personellen, zeitlichen und finanziellen Kapazitäten, Provenienzforschung zu betreiben. Diesen Umstand entgegentretend, hat der Museumsverband Mecklenburg-Vorpommern e. V. bei der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg und beim Land Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin Fördermittelanträge gestellt, die bewilligt wurden.

Im Fokus der Recherche zur Herkunft (Provenienz) steht Sammlungsgut, welches jüdischen, kommunistischen, sozialdemokratischen und katholischen Eigentümern sowie den Freimaurern während der Zeit des Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945 unrechtmäßig entzogen wurde und später in die Sammlung der Museen geriet.

Der „Erst-Check“ ermöglicht es, „verdächtige“ Bestände „aufzuspüren“ und gegebenenfalls weitere Recherchen zu empfehlen.

Für die Untersuchung konnten inzwischen zehn Einrichtungen in Mecklenburg und Vorpommern gewonnen werden: das Museum im Steintor Anklam, das Regionalmuseum Neubrandenburg, das Stadtmuseum Pasewalk, die Zoologische Sammlung der Universität Rostock, das Schiffbau- & Schifffahrtsmuseum Rostock, das Volkskundemuseum Schönberg, die Stiftung Mecklenburg in Schwerin, das Stralsund-Museum, das Heimatmuseum Warnemünde und das Stadtgeschichtliche Museum Wismar „Schabbellhaus“.

Im Auftrage des Museumsverbandes suchen seit dem 1. August 2016 die Rostocker Kunsthistorikerin Anne Paschen und der Rostocker Historiker Dr. Reno Stutz nach „verdächtigem“ Kulturgut. Dabei stehen keine detaillierten Tiefenrecherchen im Vordergrund. Vielmehr soll ein Einblick in die Sammlung und über den Stand der Inventarisierungen in den jeweiligen Häusern gewonnen werden, womit sogleich ein Teil der Hausgeschichte zur Aufarbeitung kommt.

Das Projekt wurde u. a. am 15. September 2016 in Schwerin durch eine Pressekonferenz unter Beteiligung der Stiftung Mecklenburg und des Museumsverbandes und am 9./10. Oktober 2016 in Waren-Müritz auf der Jahrestagung des Museumsverbandes einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt.

Anne Paschen / Dr. Reno Stutz

Tags: